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Von Emil Georg Hager

Bis vor kurzem war es unter Weinliebhabern noch verpönt Rotwein gekühlt zu trinken. Er musste mindestens Zimmertemperatur haben. Heute geht der Trend in Richtung kühle und moderne Eleganz.

Heute gilt es als kein Fauxpas mehr, bestimmte Rotweine etwas kühler zu servieren. Wieso sich die Etikette rund um die Genusstemperatur von Rotwein neuerdings gewandelt hat, erklärt uns Winzer Ferry Schindler vom Weingut Franz Schindler.

Wieso stimmt es nicht, dass man Rotwein immer bei Zimmertemperatur trinken sollte?
Das ist insofern nicht korrekt, weil die durchschnittliche Zimmertemperatur heutzutage viel zu warm für die Weinlagerung ist! In den meisten Häusern liegt die Raumtemperatur zwischen 22 und 24 Grad! Das Brauchtum des Rotweintrinkens bei Zimmertemperatur stammt vermutlich aus Zeiten, in denen das Heizen noch teurer und mühsamer war. Dementsprechend wurden die Rotweine damals automatisch kühler getrunken.

Spass beiseite: Rotweine etwas besser zu kühlen, sprich auf ca. 14 bis 16 Grad, hat durchaus Vorteile. Vor allem bei sehr schweren Rotweinen, mit 14% Vol. oder mehr, wirkt der Alkohol vordergründig, wenn sie zu warm sind. Leichte fruchtbetonte Rotweine wirken sogar frischer wenn sie etwas kühler getrunken werden.

Was genau meint «gekühlt» und was versteht man unter «kühl(er)»?
Unter «gekühlt» versteht man Temperaturen unter 10 Grad, wie sie im Kühlschrank oder dem Klimaschrank vorherrschen. «Kühl(er)» bedeutet einfach deutlich unter Zimmertemperatur.

Was passiert beim Kühlen des Rotweins? Gibt es Vor- oder Nachteile?
Während die Primärfrucht der Weine, wie beispielsweise leichte klassische Rotweine, davon profitieren und trinkfreudiger werden, dämmen kühlere Temperaturen das Bukett der kräftigen stoffigen Rotweine ein und wirken daher am Gaumen eher hart und verschlossen.

Könnte man Rotwein auch kalt, also nicht gekühlt, trinken?
Erlaubt ist was schmeckt! Aber «kalt» trinkt man in der Regel wohl kaum einen Rotwein. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel.

Wie kam es zu dem Trend Weine kühler zu trinken?
Der Konsument hat sein «Trinkverhalten» verändert beziehungsweise angepasst. Das wachsende Qualitätsbewusstsein des Weintrinkers steigert kontinuierlich die Nachfrage nach kräftigeren und daher alkoholreicheren Rotweinen. Ausserdem haben schon viele einen klimatisierten Weinkeller oder einen Weinklimaschrank zu Hause. Dort kann man die Temperatur für Weiss-, Rot- und Süssweine exakt einstellen und somit eigens seinen «Bedürfnissen» und «Wünschen» anpassen.

Geht der Geschmack des Weines nicht verloren, wenn er kühler getrunken wird als normal? Ab wann ist er zu kalt?
Bei den kräftigen Rotweinen sind die reifen Bukettstoffe komplexer und können sich bei zu kalten Temperaturverhältnissen nicht entfalten beziehungsweise öffnen. Ein kräftiger Rotwein sollte nur auf maximal 17 Grad gekühlt werden.

Bei leichten und fruchtigen Weinen profitiert der Weingeniesser geschmacklich von kühleren Temperaturen, da die primärfruchtigen Aromen bei kühlen Temperaturen besser zur Geltung kommen. Dies gilt sowohl bei Weiss- als auch bei Rotweinen. Daher werden zum Beispiel auch kräftig ausgebaute Weissweine aus dem Barrique nicht zu kühl getrunken.

Welchen Rotwein trinkst du am liebsten gekühlt?
Mein Favorit ist ganz klar unser klassisch junger und fruchtbetonter Blaufränkisch! Der «leichte» Blaufränkisch, auch bekannt unter «der Kartenspielwein vom Schindler», überzeugt mit seiner typisch würzigen Note. Die tiefe Farbe dieses Weines lässt keine Zweifel an der Sorte aufkommen und der elegante Körper harmoniert blendend mit der Tanninstruktur des Weines!

www.weingut-schindler.at