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Von Emil Georg Hager

Aktuell sind die Ferienmessen in Bern, Zürich oder in St. Gallen im Gang oder anstehend. Dabei werden wieder rund um den Globus perfekte Reiseziele zuhauf angeboten – auch Ziele, die fast 360 Tage im Jahr von der Sonne geküsst werden. Und diese Sonne hat es in sich – es gibt Leute, die sie lieben und Leute die sie hassen.

Da Reisen nicht mehr nur den reichen westlichen Ländern zugute kommt, sondern auch die Asiaten in einem noch viel grösseren Umfang reisen, sind sie an vielen Zielorten anzutreffen. Und da wundern wir Westeuropäer uns schon manchmal: Wie kann man nur so verschleiert und bis an die Zahnspangen vermummt tolles Ferienwetter geniessen, fragen wir uns öfters.

Vornehme Blässe oder gesunde Bräune?
AsiatInnen sind Anhänger der vornehmen Blässe. Sonnenstrahlen werden gemieden wie die Pest – oder ihnen zumindest mit Sonnenschirm und hohem Lichtschutzfaktor der Kampf angesagt. Mittelalter, Rokoko, Barock: Eine reine, weisse Haut war – und ist – in vielen Zeiten und Epochen ein begehrtes Schönheitsattribut. Zeugte sie doch von einem müssigen Leben und einer vornehmen Herkunft. Nur Menschen niedrigen Standes, die gezwungen waren ihren Lebensunterhalt mit körperlicher Arbeit im Freien zu verdienen, hatten eine dunkle Haut.

In Europa ist es heute eher umgekehrt. Kommt da jemand mit einer «schönen» weissen Haut daher, wird meist mitfühlend bemerkt: «Du siehst ja ganz schön blass aus». Diese eher mitleidige Äusserung basiert im Grunde auf zwei Vermutungen: Entweder sieht die Ärmste so käsig aus, weil es ihr nicht gut geht, sprich sie krank ist oder viel zu lange im Büro sitzen muss und arbeitet. Beides doch irgendwie keine wirklich erstrebenswerten Zustände.

Weiss und sonst gar nichts
Doch während wir Europäer in aller Regel eine gepflegte Bräune einer Leichenblässe vorziehen, hat sich vor allem in den asiatischen Ländern an dem Ideal der weissen Haut praktisch nichts geändert. Schon seit Jahrhunderten gilt dort der blasse Teint als absolutes Schönheitsideal – und das ist auch heute noch so. «Bihaku», werden in China die Frauen mit dem begehrten Porzellanteint genannt. Übersetzt bedeutet dies wie schöne, reine, weisse Haut. Ein altes chinesisches Sprichwort lautet: «Yi bai zhi bai chou» – «Wer weisse Haut hat, dem werden hundert Makel verziehen».

Und auch in Japan steht eine helle Haut mit ganz oben auf der «Schönheitswunschliste» – und das seit vielen Jahrhunderten. Früher schminkten sich beispielsweise die adligen Damen ihre Gesichter so weiss wie möglich, damit diese zusammen mit ihren seidenen Kimonos schön leuchteten, wenn sie in der Dunkelheit des Hofes auf ihren Mann warteten.

Solarien und Selbstbräuner sind Mangelware
Während wir in der Schweiz gern ein Sonnenbad geniessen, uns fleissig mit Selbstbräuner einreiben, um nicht weiss und unattraktiv wie ein Käse zu sein oder in den Wintermonaten mangels Sonnenlicht ab und zu mal ein Solarium besuchen – auch wenn das von den Dermatologen aufgrund der Hautkrebsgefahr nicht so gern gesehen wird –, versuchen die Asiatinnen eine braune Haut mit allen Mitteln zu verhindern. Solarien und Selbstbräuner? Fehlanzeige! Bei Einrichtungen dieser Art wäre ein Konkurs vermutlich vorprogrammiert und Selbstbräuner würden zum Ladenhüter werden.

Wer in China schön gebräunt aus den Ferien zurückkehrt, kann dort von seinen Mitmenschen keine neidischen Blicke erwarten, die fänden das allenfalls bedauernswert. Und auch der Versuch vieler Europäer, mit den ersten Sonnenstrahlen des Frühlings eine «gesündere» Gesichtsfarbe zu ergattern, würde wohl nur ein Kopfschütteln ernten.

Möglichst schnell hell
Asiatinnen mieden und meiden die Sonne wie die Pest, denn eine helle
Haut suggeriert Anmut, Wohlstand und Weiblichkeit. Um dieses Ideal zu erreichen, versuchen sie sich nicht nur vor jedem Sonnenstrahl mit einem hohen Lichtschutzfaktor, langärmeligen T-Shirts oder Sonnenschirmen zu verstecken, sondern helfen auch gerne mit
hautaufhellenden Mitteln nach. Bleichmittel und Aufhellungskosmetik sind somit absolut im Trend und überall in allen Supermärkten sind die Gestelle voll von solchen Mitteln.

Schätzungen von Marktforschungsinstituten zur Folge machen diese Mittel rund 60 Prozent des Umsatzes von Gesichtspflege-Produkten in China aus. Dank der Vorliebe der Chinesinnen für helle Haut ist die Palette der angebotenen Bleichungsmittelchen gross und in den unterschiedlichsten Preisniveaus zu haben. Und natürlich möchte man das Ergebnis am liebsten sofort sehen. Dementsprechend gefragt sind deshalb vor allem Produkte, deren Wirkung man gleich vor Augen hat.

Wer fürchtet sich vorm schwarzen Gesicht?
In Japan hat sich inzwischen eine Jugendkultur entwickelt, die gegen dieses bleiche Schönheitsideal rebelliert. Die meist jungen Mädchen, die sich gegen den Mainstream stellen indem sie ihre Haut bewusst bräunen, werden als Ganguro bezeichnet, was frei übersetzt so viel heisst wie «Schwarzes Gesicht».

Offenbar liegt es in der Natur des Menschen, dass man immer das schöner findet, was man nicht hat: Wer braun ist will weiss sein und wer weiss ist will braun sein. Am Ende zeigt die ganze Sache aber nur: Schönheit liegt eben doch im Auge des Betrachters.

 

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