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Von Emil Georg Hager

Zahlreiche Forscher haben in 13 Ländern und 74 Millionen Fällen das Wetter zum Zeitpunkt des Todes dieser Personen ausgewertet. Ihre Erkenntnis: An kälteren Tagen starben 20 mal mehr Menschen als an wärmeren.

Extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Kälteperioden fordern weltweit immer wieder viele Todesopfer. Kein Wunder, dass der Mensch automatisch annimmt, dass bei extremem Wetter auch die meisten Menschen sterben. Aber stimmt das überhaupt?

Bei Kälte sind Menschen anfälliger als bei Wärme
Zwischen 1985 und 2012 haben die Forscher um den Biologen Antonio Gasparrini 74 Millionen Todesfälle in 13 Staaten quer durch den Globus ausgewertet. Ergebnis: «Die meisten wetterbedingten Todesfälle ereigneten sich an mässig heissen und vor allem an etwas zu kalten Tagen», sagt Gasparrini.

Das Team von der London School of Hygiene and Tropical Medicine in Grossbritannien sammelte Daten zu Sterblichkeit und der Temperatur zum jeweiligen Todeszeitpunkt. Im Anschluss setzten sie die in der Analyse ermittelten Daten in Verbindung zu einer für jedes Land einzeln berechneten Idealtemperatur.

Madrid: 22 Grad sind ideal
Daraus ergab sich, dass bei Kälte etwa 20-mal mehr Todesfälle zu verzeichnen waren als bei Wärme, schreiben die Forscher im Fachmagazin «The Lancet». Es ist den Angaben zufolge die bislang
grösste Studie zum Zusammenhang zwischen Temperatur und Gesundheit.
In dieser Studie war Europa mit Italien, Spanien, Schweden und Grossbritannien vertreten.

Kälte war der Studie zufolge für 7,29 Prozent aller Todesfälle verantwortlich, Wärme nur für 0,42 Prozent. Aber: Extreme Temperaturen – egal ob eisige Kälte oder grosse Hitze – waren nur für relativ wenig Todesfälle verantwortlich. Beispiel: In Madrid starben die meisten Menschen bei 8 Grad. Den zweithöchsten Ausschlag hatte die Kurve bei 25 Grad. Bei extremeren Temperaturen um die Null und über 30 Grad flachte die Kurve stark ab. Die für die Gesundheit ideale Temperatur läge den Daten zufolge für Spanien um die 22 Grad.

Klimaforscher warnen vor einer Zunahme von Wetterextremen
Forscher von der Duke Kunshan University in China bezweifelten die Aussagekraft der Studie. Wichtige Faktoren für die Analyse von Todesursachen wie Alter, Gesundheitszustand, Armut oder Reichtum oder Luftverschmutzung seien nicht berücksichtigt worden, schreiben Keith Dear und Zhang Wang in einem Kommentar.

Gasparrini und seine Mitautoren betonen hingegen, die Studie sollte die öffentlichen Gesundheitssysteme zum Nachdenken bringen. Sie dürften nicht nur extreme Wetterereignisse als Risiko für die Gesundheit der Bevölkerung im Visier haben. Klimaforscher warnen vor einer Zunahme von Wetterextremen, besonders vor tödlichen Hitzewellen. 2003 waren bei einer Hitzewelle selbst in Europa zehntausende Menschen gestorben.

www.meteoschweiz.ch

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