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Von Carina Abderhalden

Heute hat jedes grosse Jeans Label sorgfältig zerstörte Hosen im Angebot. Gern gesehen ist es gar, wenn sie Risse und Löcher hat. Socken oder Unterhosen können von solcher Toleranz nur träumen – doch deren Aussichten wachsen, wie einige unserer Bilder zeigen…

Unter allen Kleidungsstücken haben sich die Jeans einen besonderen Stellenwert erarbeitet. Sie wurden mit Steinen gewaschen, mit Schmirgelpapier traktiert oder mit Sand beschossen: Was sie schon während ihrer Herstellung erdulden mussten, ist alles andere als ein Wellnessprogramm. Diese Torturen verschaffen den Jeans jedoch Privilegien: Sie dürfen nicht nur alt, ausgewaschen und gebraucht aussehen, sie soll es auch sein. Und: Wovon Socken oder Unterhosen nur träumen können, die Jeans müssen es haben: Risse und Löcher!

Löcher die locken, nicht schocken
Seit geraumer Zeit sind die löchrigen Jeans wieder überall zu sehen. Meistens sind es junge Frauen, die sie tragen. Wenn der Eindruck nicht trügt, tragen sie diese Löcher ohne rebellische Absichten. Die Löcher sollen locken, nicht schocken. Man sieht zwar Knielöcher, so gross wie Suppenteller. Öfters sind es akkurat gesetzte Schnitte in harmonischen Abständen, die nicht in dilettantischer Heimarbeit erzeugt wurden, sondern von den Maschinen der grossen Jeanskonzerne.

«Destroyed», «ripped» oder «distressed» heissen die vorzerstörten Jeans. Wie ein Hersteller schreibt, lassen sie «sich cool zu schicken Teilen kombinieren». Manche sind auch entsprechend teuer. «Distressed» lässt sich unter anderem übersetzen mit «bekümmert», und etwas traurig darf man die fantasielos durchtrennten Hosen durchaus finden. Die Botschaft hinter den Stofffetzen lautet: «Pfff, ich pfeife auf Wohlstand!». Gegen diese Haltung ist eigentlich nichts einzuwenden, wenn sie denn auch authentisch ist. Einer mittellosen Studentin nimmt man das ab, einer Oligarchen-Gattin eher weniger.

Hauptsache, die Hose hat Löcher
Zerfetzte Jeans mit Rissen und Löchern liegen also voll im Trend. Alt, verlöchert und komplett runtergenudelt sollen sie aussehen. Das ist der Trend, der derzeit durch die Modelandschaft geistert. Dieser Trend wird nicht nur von jungen Mädchen getragen. Während einige nur kleine Risse bevorzugen, zählt für andere das Motto: je kaputter, desto besser. Meist sind die Jeans oberhalb des Knies aufgerissen und haben zudem hier und da kleine Löcher rundherum, andere sind so zerfetzt und zerfleddert, als seien sie durch einen Papierschredder gezogen worden.

Noch sind die Temperaturen nicht frostig, doch wenn im Winter die Kälte durch die Löcher zieht, dann spaltet sich die Fangemeinde der so genannten Destroyed Jeans: Nicht alle sind bereit, bei Minustemperaturen in Löcher-Hosen zu frieren. Wenn es kalt wird, werden viele wohl Netzstrümpfe drunter tragen. Allerdings dürfen diese nicht zu schäbig und durchgelutscht aussehen. Das Problem bei diesem Trend ist, dass die Löcher ständig grösser würden. Man kann diese Jeans dann auch unternähen lassen.

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